Einreise für Künstlergruppe aus dem Südsudan verweigert

Die Einreise von Künstler*innen aus dem Südsudan für ein Kunstprojekt der nGbK wurde von der Deutschen Botschaft abgelehnt. Protestkundgebung am Fr., den 11. August um 11:00 h vor dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Kundgebung Swan Song @ Valie Djordjevic nGbK

Kundgebung Swan Song @ Valie Djordjevic – nGbK

Protestkundgebung gegen die Einreisebedingungen für Künstler*innen aus dem nichteuropäischen Ausland

Die nGbK – neue Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin – hat Musiker*innen und Perfomer*innen der Künstlergruppe ‚Team of Love‘ aus dem Südsudan zur Mitwirkung am Projekt „The Swan Song Operetta“ eingeladen. Aufgrund des Bürgerkriegs im Südsudan leben die Künstler*innen derzeit in Ägypten.

Der Deutschen Botschaft in Kairo wurde neben dem Einladungsschreiben eine Projektbeschreibung, Erklärungen zur inhaltlichen Einbindung des Team of Love vorgelegt und die Kostenübernahme für Reisen, Versicherungen und Unterhalt während des Aufenthaltes zugesichert und nachgewiesen.

Die Deutsche Botschaft in Kairo hat den Antrag jedoch als „nicht glaubhaft“ abgelehnt:

Es wurde angezweifelt, dass die Gäste „über ausreichend Mittel zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts für die Dauer ihres beabsichtigten Aufenthalts oder für die Rückkehr in ihren Herkunfts- oder Wohnsitzstaat verfügen“. Im Ablehnungsschreiben wird zudem angeführt, dass die Antragsteller_innen „über keine ausreichende familiäre, soziale oder wirtschaftliche Anbindung“ in ihrem momentanen Aufenthaltsland verfügen und dass demzufolge „Rückkehrzweifel“ nicht ausgeschlossen werden könnten.

Internationale Zusammenarbeit im Kunstschaffen wird behindert

Das künstlerische Schaffen und die notwendige internationale Zusammenarbeit von Künstler’innen wird so durch Vorurteile und Bürokratie behindert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Gerade als Künstler*innen haben wir einen gesellschaftlichen Auftrag. Dieser Auftrag bezieht sich nicht nur auf Deutschland. Dazu ist die internationale Vernetzung und der Austausch mit Künstler*innen aus anderen Ländern zwingend erforderlich. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Weltlage ist die Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus Kriegsgebieten und sog. Drittweltländern besodners wichtig, um Lösungsansätze zu finden.

Unsere Gäste werden aufgrund ihrer Herkunft aus einem Land, in dem Bürgerkrieg herrscht, und aufgrund ihres unsicheren Status in Ägypten in erster Linie als potenzielle Asylbewerber in Deutschland eingestuft.

Und, mal abgesehen von künstlerischen Projekten: Menschen aus Bürgerkriegsländern müssen die Möglichkeit haben der Gewalt und Verfolgung zu entfliehen. Es ist schon schlimm genug, dass sie ihre Heimat, ihre Freunde und Verwandten und so viel anderes Vertrautes hinter sich lassen. Diesen Menschen die Einreise zu verweigern – egal ob Künstler*in oder nicht – ist unmenschlich.

Protestkundgebung vor dem Auswärtigen Amt in Berlin am Freitag, dem 11. August um 11:00 Uhr

Wir sind wütend und wir protestieren gegen die Behandlung unserer Gäste. Wir wehren uns gegen die Bevormundung, die gegen uns als Gastgeber_innen ausgeübt wird. Wir wollen uns unsere Kooperationspartner*innen selber aussuchen.
Nur so können wir Kunst schaffen, die sich unabhängig den Herausforderungen unserer Zeit stellt.

Als öffentlich geförderte Institution hat die nGbK die Künstler_innen für ein lang geplantes Projekt eingeladen. Die Botschaft in Kairo teilte nun mit, der „Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts waren nicht glaubhaft“ nachgewiesen. Wir sind empört über diese Einschätzung und Bewertung und wollen unserem Unmut darüber nachdrücklich Ausdruck verleihen.

Für unsere Arbeit als Künstler_innen ist es notwendig, mit Menschen aus unterschiedlichen Regionen und unterschiedlicher Herkunft im Austausch zu stehen. Die Ablehnung unserer Gäste bedeutet für uns eine Beschränkung in unserer Arbeit. Des Weiteren beinhaltet die Ablehnung der Visaanträge Formulierungen, wie „Rückkehrzweifel“, die wir als diskriminierend wahrnehmen und gegen die wir entschieden protestieren.

Aus Protest gegen die Entscheidung der deutschen Auslandsvertretung in Kairo und somit gegen die Vorgehensweise deutscher Behörden werden wir am 11. August 2017 um 11 Uhr vor dem Auswärtigen Amt in Berlin eine Kundgebung abhalten.

Alle Zitate aus der Rundmail der nGbK zum Thema

Zeit & Ort

Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
Werderscher Markt 1
10117 Berlin

Freitag, der 11. August 2017 um 11:00 Uhr

 

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